Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
mit Entsetzen habe ich heute den Bericht in der taz auf Seite 13 ("Wer wollte das rosa Einhorn?") über die Diskriminierung eines transsexuellen Kindes durch das Jugendamt Berlin-Steglitz/Schönberg gelesen. Ich bin selbst transsexuell (mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren) und daher mit der Thematik vertraut. Außerdem ist mir sowohl ................. – der Name des Mädchens wurde von der taz in Alexandra geändert – als auch ihre Mutter .......................... – im taz-Artikel heißt sie Anna Kaminski – persönlich bekannt. Beide haben zusammen mit Alexandras Schwestern im August 2011 an einem überregionalen Treffen für transsexuelle Kinder und Angehörige auf unserem Hof in der südlichen Lüneburger Heide teilgenommen. Ich habe eine fröhliche, liebenswerte Familie kennengelernt. Die Mutter hatte ein sehr gutes, liebevolles Verhältnis zu ihren Kindern, und auch die Geschwister untereinander verstanden sich prächtig.
Dass der Mutter seitens des Jugendamtes nun vorgeworfen wird, sie beeinflusse Alexandra dahingehend, dass sie sie in die weibliche Rolle dränge, ist geradezu absurd und in keinster Weise nachvollziehbar. Mit elf Jahren ist Alexandra in der Lage, selbst zu beurteilen, ob sie ein Junge oder ein Mädchen ist. Mir selbst war bereits schon als Kind, vor Beginn meiner Schulzeit klar, dass ich offebar mit falschen Geschlechtsmerkmalen geboren worden bin. In der damaligen Zeit, Anfang der 1970er Jahre, war Transsexualität ebenso wie Homosexualität allerdings noch ein Tabuthema, sodass ich still vor mich hin litt. Fast mein ganzes Leben lang habe ich versucht, mein Anderssein zu verdrängen und zu verheimlichen. Ich entwickelte dabei durchaus brauchbare schauspielerische Fähigkeiten. Meinen Kummer ertränkte ich in Rotwein. Erst ein lebensbedrohlicher Totalzusammenbruch im März 2010 öffnete mir die Augen. Ich wusste, dass ich jetzt die Entscheidung treffen muss, vor der ich mich so lange mehr schlecht als recht gedrückt hatte – nämlich fortan in meinem wahren Geschlecht zu leben. Heute ist die Transition nahezu abgeschlossen und ich warte jetzt nur noch auf die Genehmigung der geschlechtsangleichenden Operation durch die Krankenkasse.
Alexandra könnte ein unbeschwertes Leben führen, aber ihr werden jetzt behördlicherseits Steine in den Weg gelegt, die ihr den gesamten weiteren Lebensweg verbauen könnten. Zu Beginn der Pubertät müsste sie jetzt dringend Testosteronblocker und Östrogene erhalten, um die drohende Vermännlichung ihres Körpers aufzuhalten. Stattdessen sollen ihr jetzt "Angebote für eine männliche Rollenentwicklung" gemacht werden. Und sie soll dem angeblich negativen Einfluss der Mutter entzogen und in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden. Schlimmstenfalls treibt die Stadt Berlin damit ein gesundes, bis auf die fehlentwickelten Geschlechtsmerkmale normal entwickeltes Kind in den Selbstmord.
Der Zweifel an Alexandra Transsexualität ist unbegründet. Natürlich gibt es Kinder, die sich phasenweise mehr dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen und entsprechende Verhaltensweisen zeigen. Doch die haben in der Regel nicht den Wunsch, dauerhaft in der gegengeschlechtlichen Rolle zu leben. Da ich selbst von Transsexualität betroffen bin, kann ich, glaube ich, ganz gut nachvollziehen, wie sich Alexandra fühlt und kann sagen, dass die Überzeugung, ein Mädchen und kein Junge zu sein, tief und unveränderbar in ihr verankert ist. Alexandra ist kein Kleinkind mehr und verdient, wie jeder andere Mensch ernst genommen und respektvoll behandelt zu werden.
Gerade für eine weltoffene Stadt wie Berlin wäre es doch angezeigt, für die Freiheit der geschlechtlichen Selbstbestimmung ihrer Bürger einzutreten, anstatt ihnen diese zu versagen. Daher appelliere ich an Sie persönlich und den gesamten Senat, die Entscheidung des Jugendamtes noch einmal sorgfältig zu überprüfen und zurückzunehmen. Lassen Sie das Kind bei seiner Mutter, in seinem gewohnten Umfeld, und Sie müssen sich später keine Vorwürfe machen, ein junges Leben behördlicherseits zerstört zu haben.
Zu Ihrer Information füge ich Ihnen als Anhang noch ein Faltblatt über Transsexualität bei, das ich vor einiger Zeit zusammengestellt habe.
Mit freundlichen Grüßen
Inka ........
Donnerstag, 19. Januar 2012
Offener Brief an Klaus Wowereit
Die Diskriminierung der armen Alexandra (Name geändert) durch das Jugendamt in Berlin (siehe Blogbeitrag Wegen Transsexualität in die Psychiatrie) hat mich dermaßen beschäftigt, dass ich mich spontan entschieden habe, ebenfalls einen Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zu schreiben. Hier ist der Wortlaut des Briefes (die richtigen Namen ersetze ich hier zum Schutz des Kindes durch die von der taz gewählten):
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Mein Gott, wie furchtbar.Psychiatrie wäre echt das Schlimmste fü das Kind, die Chance, dort auf kompetente, mit der Thematik vertraute Theraupeuten zu treffen, die hilfreich für das Kind sein könnten, ist ja leider verschwindend gering. Ich verstehe echt nicht, dass das Amtsgericht so eine Entscheidung teffen konnte und hoffe, dass die wie auch das Jugendamt in ihre Schranken verwiesen werden. Akute Suizidgefährdung ist ja leider wirklich ein Grund für eine Zwangseinweisung, aber die muss dann auch wirklich im akuten Fall erfolgen. Das Kind muss also jetzt glaubhaft versichern, dass es sich auf keinen Fall das Leben nehmen würde, dann hat das Jugendamt keine rechtliche Grundlage mehr. Ich drück die Daumen!
AntwortenLöschenL.G. Andrea
Das Amtsgericht wollte whrscheinlich auf Nummer sicher gehen, denn das Jugendamt hatte ja argumentiert, dass Selbstmordgefahr bestünde, wenn das Kind bei seiner Mutter bleibt. Da will sich kein Rucíchter den Vorwurf machen lassen, das Leben des Kindes aufs Spiel gesetzt zu haben. Natürlich liegt der Fall genau andersherum: Selbstmordgefahr besteht, wenn das Kind der Mutter, den Geschwistern und den Freunden weggenommen und in die Psychatrie eingewiesen wird.
LöschenLiebe Grüße
Inka
Hallo Inka,
AntwortenLöschendas traurige an der Geschichte ist, all die Streitigkeiten zwischen Vater, Mutter, Jugendamt und Gericht wird auf dem Rücken eines kleine Mädchen ausgetragen. Hier geht es wie so oft nicht mehr um den Sachverhalt selbst, sondern nur noch darum wer hat Recht. Denn wirklich Helfen will und kann anscheinend nur die Mutter die ihr Kind so akzeptiert wie es nun ein mal ist. Ob die Gerichte mit der Thematik schlichtweg überfordert oder die Mitarbeiter des JA nur profilierungssüchtig sind sei erst einmal dahingestellt. Fakt ist, dass man hier in der ach so hoch zivilisierten Welt der nördlichen Hemisphäre nicht einen Menschen erlaubt so zu leben wie es ihm die Natur zugedacht hat.
Ob sich das JA von ihrer Arbeitsweise durch einen Brief an den sogenannten Volksvertreter abschrecken lässt bezweifle ich. Einen Hebel um jemanden aus dem öffentlichen Dienst zum umdenken zu bewegen ist nur durch Dienstaufsichtsbeschwerden und juristische Winkelzüge zu bewerkstelligen. Denn die Damen und Herren sitzen fest im Sattel im öffentlichen Dienst, fern ab jeglicher Konkurrenz der Arbeitswelt der den normalen Menschen umgibt. Und da die Jugendämter eigentlich keiner Überwachung, bzw. Kontrolle unterliegen ist dies noch ein zusätzlicher Freibrief die Dinge so zu händeln wie es Ihnen beliebt. Fakt ist auch das die Gerichte meist den Jugendämtern folgen weil viele Richter sich blind auf die Arbeitsweise der Pädagogen und Psychologen verlassen. Denn wer sollte es besser wissen wenn nicht die … Um die Denkweise der Gerichte zu durchbrechen werden vermutlich noch Jahre ins Land gehen. Mit viel Blut, Tränen und Schweiß wird man um das recht „anders zu sein“ Kämpfen müssen.
Liebe Grüße
Aiko
Das Jugendamt wird sich sicher nicht von einem einzelnen Brief abschrecken lassen. Aber je mehr Briefe der Bürgerneister in der Angelegenheit bekommt, umso ernster wird er den Fall nehmen und der Angelegenheit nachgehen. Außerdem ist es gut, solche Fälle öffentlich zu machen. Das setzt die Verantwortlichen unter Erklärungs- und Rechtfertigungszwang.
LöschenUnd außerdem bedarf es einer breit angelegten Aufklärungsarbeit. Sowohl beiden Jugendämtern als auch bei den Gerichten scheint kaum Wissen über Transsexualität im Kindesalter vorhanden zu sein.
Danke für Deinen ausführlichen und guten Kommentar!
Liebe Grüße
Inka
Hallo, Inka!
AntwortenLöschenDas scheint ja ein Fall zu sein, der schon mal in unseren Kreisen große Wellen schlägt - und das ist auch gut so! Ich hätte jetzt nicht geahnt, daß die junge Dame gerade eine ist, die du persönlich kennst, aber... klein ist die Welt. Viel Erfolg mit deinem Brief, tolle Aktion!
GLG - Nicky
Was kann man tun, wenn man fast ohnmächtig vor Wut und Unverständnis über das Verhalten der Behörden ist? Viel nicht, aber man kann zumindest seine Meinung kundtun und sie den Vrantwortlichen und der Öffentlichkeit mitteilen. Als einzelne Person kann man zwar kaum etwas bewegen, aber wenn viele Einzelne in gleicher Weise reagieren, lässt sich vielleicht doch der Stein ins Rollen bringen.
LöschenDanke und liebe Grüße
Inka
-Ich glaub mich triff ein Pferd...- Das ist doch völlig absurd...-
AntwortenLöschenDas waren die ersten Gedanken die mir durch den Kopf schossen sind als ich deinen Bericht über das Transsexuelle Kind gelesen hatte.
Ich kenne diese Familie zwar nicht, auch nicht die Umstände in denen das Kind aufwächst. Von daher finde ich es schwierig mir ein Urteil zu erlauben.
Aber dafür kenne ich mich recht gut mit dem Thema Transsexualität aus. Was mich zutiefst getroffen hat, ja richtig zornig werden ließ ist wohl die Tatsachen das man offensichtlich beabsichtig ein „gesundes“ Kind in eine Psychiaterische Klinik einzuweisen, ja es sogar von der Familie zu trennen. Geht`s noch ?!. In welchem Staat leben wir denn?
Allein die Anschuldigung, dass die Mutter das Kind zu einem Mädchen erziehen will bzw. es schon seit Jahren tut, ist doch völliger Humbug. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Studien die Belegen dass man „niemanden“ das gefühlte Geschlecht anerziehen kann. Es ist angeboren. Eine Zwangserziehung würde unweigerlich in eine Katastrophe führen. Alleine schon die Idee, dem Kind beizubringen, dass es sich gefälligst wie ein „richtiger Junge“ Verhalten soll ist entwürdigend und tritt die Menschenrecht mit Füßen.
Was mich in dieser Frage auch immer wieder zum Kochen bringt ist, dass es da offensichtlich Menschen gibt die sich Einbilden zu wissen wie man sich in einem bestimmten Rollebild zu verhalten hat.
Liebe Inka, ich finde deinen Einsatz und dein Arrangement für diese Familie einfach super.
Den offenen Brief an Wowereit unterschriebe ich gleich mal mit.
In diesem Sinne.
Lg Thalia…
Ja, es ist tatsächlich geradezu haarsträubend absurd, dass angeblich zum Wohl des Kindes dessen Leben zerstört werden soll. Da wird über den Kopf des Kindes, das durchaus alt genug ist, um schon für sich selbst zu sprechen, eine Entscheidung gefällt, die es vor dem Selbstmord schützen soll, aber es schlimmstenfalls direkt in so eine Verzweiflungstat treibt.
LöschenDanke und liebe Grüße
Inka
Aiko...du hast es genau richtig beschrieben mit den Jugendämtern...sie unterliegen keiner Überwachung / Kontrolle. Das bedeutet im Umkehrschluss, sie sind Götter mit allen Fähigkeiten...und das obwohl sie nur Menschen sind mit einer persönlichen Geschichte und Einstellung ( die immer in die Arbeit einfließen ).
AntwortenLöschenGerade darum, bekommt man Jugendämter und Gerichte nur dahin wo man sie haben will ( sich den nächsten Schritt ganz genau zu überlegen ) mit scharfen Geschossen, dazu gehört die Öffentlichkeit. Irgendwas bleibt immer hängen, das wollen die nicht.
Genau, die öffentliche Aufmerksamkeit auf behördlicherseits legitimierte Ungerechtigkeiten zu lenken, ist immer noch der beste Weg, um sich dagegen zu wehren. Wichtig ist in diesem Fall nur, dass das Kind nicht zum Spielball der Medien wird.
LöschenDanke und liebe Grüße
Inka
Ich glaub's ja nicht...
AntwortenLöschenIm dritten Reich wurden Homosexuelle ohne gerichtliche Verurteilung in Konzentrationslager verschleppt und heute, gut 70 Jahre später, steckt man Transsexuelle ohne ein fundiertes Gutachten in die Psychiatrie. Haben wir denn gar nichts aus unserer (gar nicht rühmlichen) Vergangenheit gelernt?
Dass die Jugendämter jeweils nur das Kindeswohl im Sinn haben, ist doch schon zig-fach widerlegt, das ist wirklich nichts Neues...
Dieser Fall sollte wirklich so weit wie möglich öffentlich breitgewalzt werden, am besten auch im Fernsehen. Es müsste doch möglich sein, Privatsender wie RTL oder SAT1 dafür zu interessieren?!
Die Sender würden dies gern veröffentlichen , aber die Mutter will ja auch ihr Kind schützen und nicht ins Fernsehen bringen.
AntwortenLöschenWie schon weiter oben erwähnt, ist es durchaus hilfreich, sich in diesem Fall der Macht der Medien zu bedienen. Allerdings muss man dabei aufassen, dass einem das Ruder nicht aus der hand genommen wird. Von der taz war eine sensible Berichterstattung zu erwarten, aber was ist, wenn das berühmte Boulevardblatt mit den großen Überschriften für Kurzsichtige und Dumpfbackige sich des Falles annimmt? Oder wenn das Privatfernsehen in seiner typischen Manier über den Fall berichtet? Da kann auch ordentlich Schaden angerichtet werden.
LöschenDanke und liebe Grüße
Inka
Sorry, es gehört hier eigentlich wirklich nicht hin, aber ich kann das nicht so einfach unkommentiert stehen lassen...: "Und da die Jugendämter eigentlich keiner Überwachung, bzw. Kontrolle unterliegen ist dies noch ein zusätzlicher Freibrief die Dinge so zu händeln wie es Ihnen beliebt. Fakt ist auch das die Gerichte meist den Jugendämtern folgen weil viele Richter sich blind auf die Arbeitsweise der Pädagogen und Psychologen verlassen."
AntwortenLöschen"Aiko...du hast es genau richtig beschrieben mit den Jugendämtern...sie unterliegen keiner Überwachung / Kontrolle. Das bedeutet im Umkehrschluss, sie sind Götter mit allen Fähigkeiten.."
In den letzten Jahren sind etliche Jugendämter in die Kritik geraten, weil sie einige Kinder nicht retten konnten und die Fälle an die Öffentlichkeit gerieten. Das hat ziemlich viel Druck von oben aufgebaut, gleichzeitig stehen die Mitarbeiter unter Sparzwang, wie alle sozialen Behörden. Ein großes Dilemma.
Also allmächtige Götter und keine Kontrolle stimmt absolut nicht. Riesenstreß und permanente Überforderung stimmt hier wohl eher. Die Mitabeiter sind meistens Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen, keine Psychologen. Aus Kostengründen gibt es oft Sozialarbeiter, die nicht studiert haben, sondern lediglich eine Fachschule besucht haben. Hier könnte man also von Unerfahrenheit und Inkompetenz sprechen. Auch Richter stehen unter Zeitdruck und sind nicht allwissend, gut also, dass es noch Kontrollinstanzen wie die höher gestellten Gerichte gibt. Das Ganze ist auf breiter Basis menschliches Versagen, und wir können alle nur hoffen, dass sich Menschen finden, die kompetent, objektiv und menschlich sind und genug Macht haben, dem Kind zu seinem Recht zu verhelfen.
L.G. Andrea
(staatlich anerkannte Diplomsozialarbeiterin...*g*)
Vor diesem Hintergrund ist es meiner Ansicht nach besonders wichtig, die MitarbeiterInnen der Jugendämter über Transsexualität aufzuklären. Ich will nicht verallgemeinern, aber aus Berichten anderer Mütter von Transkindern weiß ich, dass sich in den meisten Fällen die Jugendämter gegen die Eltern stellen und ihnen vorwerfen, sie würden ihren Kindern aus egoistischen Erwägungen ein anderes Geschlecht aufzwingen. Es ist dramatisch, wie die Eltern an den Pranger gestellt werden. Die Unkenntnis auf Seiten der Behördenvertreter ist geradezu erschreckend. Wenn die MitarbeiterInnen der Jugendämter mit dem Thema Transsexualität vertraut wären, würden sich nicht versuchen, die Kinder wieder umzupolen.
LöschenDanke und liebe Grüße
Inka
Leider kennen die meisten Menschen nichts von Transidentiät und wenn, dann doch oft nur negatives bzw. klischee behaftetes. Das dieses Vorgehen der Behörden heute noch möglich ist, nachdem Kim Petras während ihrer Transition durch SternTV begleitet wurde, hätte ich nicht gedacht, aber wahrscheinlich schauen die Damen und Herren des Jugendamtes kein SternTV. Klar, das Thema interessiert sie nicht und dann schaut man weg und wenn man dann mit einem solchen Fall konfrontiert wird, handelt man wie vor 50 Jahren, als man als transidenter Mensch fast zwangsläufig in der Psychiatrie landete.
LöschenIch hoffe, daß dein offener Brief etwas erreicht und von Herrn Wowereit auch registriert wird.
Beste Grüsse vom Bodensee,
Michaela
Hallo Michaela,
Löschenerst einmal willkommen im Kreis meiner liebsten LeserInnen! Ich kenne Dich schon durch Dein Blog.
Bei der Aufklärungsarbeit gilt leider die Erkenntnis "Steter Tropfen höhlt den Stein", soll heißen: Das Thema muss immer wieder aufgegriffen und ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden.
Zwar werden Berliner SchülerInnen seit Beginn des Schuljahres 2011/12 laut Lehrplan auch über Trans-Lebensformen aufgeklärt, offenbar gilt das aber nicht für die Mitarbeiter der Jugendämter. Die hätten es aber bitter nötig, zumindest die, die – wie im aktuellen Fall – immer noch glauben, man könnte Transkinder einfach wieder umpolen und alles wird gut. Eine solche Einstellung zeugt doch von grober unkenntnis der Materie.
Danke und liebe Grüße
Inka
[So, nachdem mich gestern mein Brummschädel davon abgehalten hat, das zu schreiben, was ich eigentlich wollte, hole ich es hiermit nach ;-)]
AntwortenLöschenDass die Mutter ihr Kind schützen will, ist verständlich und nachvollziehbar. Aber: mit der drohenden Psychiatrie-Einweisung hat sich die Prävalenz verschoben. Soweit zumindest meine Meinung. Ich denke, das Kind muss jetzt vorrangig vor der "Anstalt" geschützt werden, dazu ist es wohl nötig, Kompromisse einzugehen.
Das Privatfernsehen pauschal zu verurteilen, finde ich nicht gut - der "Fall" Kim z. B. wurde von SternTV keinesfalls sensationsgeil verwurstet. Im Gegenteil, damit wurde ein wichtiges Stück Aufklärungsarbeit betrieben. Die breite Öffentlichkeit aufzurütteln ist, wie so oft, die einzige Möglichkeit, das Ruder noch herum zu reißen, weil der Druck auf die Verantwortlichen hoffentlich zu groß wird. Außerdem haben Fernsehsender die Möglichkeit, kompetente Experten ins Boot zu holen. Natürlich ist bei der Thematik ein hohes Maß an Sensibilität angebracht, aber es wird ja bestimmt niemand an die einschlägig bekannten Skandal-Medien mit den dicken Schlagzeilen herantreten.
Fakt ist aber, das die (übrigens sehr gute) Berichterstattung der taz nur eine vergleichsweise kleine Zielgruppe erreicht - ich musste auch mit der Nase rein gedrückt werden.
Deshalb denke ich, die Prioritäten sollten neu gesetzt werden und dem aktuellen Schutzbedürfnis des Mädchens angepasst werden.
Just my two cents...
Selbstverständlich gibt es auch im Privatfernsehen gute Sendungen, und in den öffentlich-rechtlichen Programmen wird auch viel Schrott gesendet. Ich wollte nicht die Privaten pauschal verurteilen, sondern habe nur gemeint, dass besondere Vorsicht im Umgang mit ihnen geboten ist. Denn leider gab es bei den Privaten, mit Ausnahme der Berichterstattung über Kim Petras bei "SternTV", in der Vergangenheit überwiegend oberflächliche, klischeehafte Beiträge zum Thema Transsexualität.
LöschenDie "taz" hat natürlich keine Verbreitung wie die "Bild", wird aber doch zumindest von den Politikern, auf die es jetzt auch ankommt, intensiv gelesen.
Auf jeden Fall geht die Öffentlichkeitsarbeit weiter. Die Unterstützer haben schon konkrete Pläne für die nächsten Schritte. Sie sind inzwischen auch zuversichtlich, dass es gelingen wird, das Mädchen vor der Zwangseinweisung in die Psychatrie zu bewahren.
Danke und liebe Grüße
Inka
Immerhin wird darüber auch in nem 2. Artikel in der taz noch berichtet:
AntwortenLöschenhttp://taz.de/Medizinerin-ueber-Transsexualitaet/!86556/
Das ist bekannt. Der verlinkte Artikel steht hier im Blog zum Download bereit.
Löschen